irgendwie traurig

Es ging um die Erinnerung. Und wie sie verschwindet. Wie sie weniger wird. Wenn Menschen gehen. Juergen und Rudolf der Bildhauer sprachen darüber im Atelier als ich sie besuchte. Sie verarbeiten immer noch den Tod von PM.

Wenn jemand stirbt, darin waren sie sich einig, wird von den Angehörigen und Freunden aufgeräumt. Und es verbleibt die Kunst – aber wohin damit? – und es bleiben die wichtigen Gegenstände, die dann in den Besitz der Anderen übergehen. Und der Rest wird entsorgt. Müll eben.

Das gehört zur Trauer und zur Aufarbeitung der Trauer. In solch einem Vorgehen wird der Verstorbene, so meinte Juergen, ein letztes mal gespürt. Das Wissen um die Person, die Erlebnisse, das Gemeinsame aber bleiben im Kopf, auch wenn das Betrachten von Fotos und Bildern vieles wieder wachrufen und verblassen allmählich. Zwangsläufig.

Und irgendwann ist auch die Erinnerung erloschen, sagte Rudolf. Dann bleiben nur noch die Dokumente in Schachteln und Alben, die weggestellt worden sind und die keiner mehr ansieht. Irgendwie traurig. Und auch normal.

Buchalov

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5 Gedanken zu „irgendwie traurig

  1. Ich denke, wir leben durch unsere Kinder und Enkel und ihre Erinnerungen weiter. Mein Vater erzählt mir noch heute viel von seiner Großmutter (die ich nie kennen gelernt habe), so dass ich an sie denke, wenn ich dort vorbei komme, wo sie ihren Stand in der Markthalle hatte, so dass ich an sie denke, wenn ich nähe (sie hat teilweise als Näherin bearbeitet).
    So ist es auch mit meiner Großmutter mütterlicher seits. Sie war mir sehr Nahe gewesen und oft ist es auch noch heute so, dass ich sie gerne das eine oder andere Fragen würde, obwohl sie schon Jahre tot ist. Das, was sie mir erzählt hat, dass erzähle ich meinem Sohn weiter, z.b. von Berlin Charlottenburg, als es in der Nacht im Krieg nach einem Bombenangriff brannte und es taghell auf den Straßen war und sehr heiß.
    Ich weiss, Jürgen, du magst kurze Antworten, aber manchmal gehen die Worte mit mir durch!

    • Hallo Susanne!
      In diesem Falle geht es ja nun mal nicht mit wenigen Worten.
      Es stimmt schon, dass über das Erzählen der Ereignisse und Erlebnisse die Erinnerung an Menschen weitergetragen wird. So ist es auch mir ergangen mit meinen Eltern und auch mit der Verarbeitung ihres Lebens in der Naziherrschaft und des Krieges.Und so handhabe ich das mit meinen Kindern ebenso. Das ist gut so. Aber dieser Transfer wird immer lückenhafter und endet – irgendwann. Die Dokumente der Geschehnisse und der Erlebnisse mit Personen bleiben länger existent, aber auch sie schrumpfen in ihrem Bestand.Das ist der Lauf der Dinge, den man aushalten muss.
      Die Frage der Bewahrung von Erinnerungen ist natürlich bei Rudolf dem Bildhauer und mir deshalb momentan so gewichtig, weil wir in letzter Zeit mehrmals erleben mußten, dass uns sehr nahestehende Menschen endgültig verlassen haben. Und wir auch z.T deren Haushalte aufgelöst haben, oder wie im Falle von PM sein Atelier momentan auflösen.
      Wir versinken beide nicht in Trauer, aber wir versuchen zu verarbeiten und das ist ja auch eine Form von Trauer. So eine Phase muss aber nach einiger Zeit beendet sein. Das wissen wir beide. Das Leben geht nämlich weiter. Und wir sind dabei.
      Gruss Juergen

  2. Das Leben geht weiter..die Trauer erreicht einen Punkt,mit dem man leben kann und solange Erinnerungen vorhanden sind – selbst nur in stillen Momenten – so lange,geht Niemand ganz.
    Dieser Beitrag holt bei mir Erinnerungen hoch..der Tod meiner Eltern,aber nach 8Jahren,sind es Erinnerungen der Liebe,Freude und auch des Schmerzes ; er ist aber erträglich geworden..

    Gruss,Laura

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