Energie und Vernunft

DSC02464Juergen hat momentan sein „Angelus – Thema“und Rudolf der Bildhauer arbeitet an der Skulptur eines sich „verändernden Kubus“. Sie saßen im Atelierzimmer am Frühstückstisch, ich brachte die Brötchen vorbei und Juergen meinte, dass es bei beiden Vorhaben in erster Linie um Energie gehe.

Er habe sich ja seine alten Sachen beim Umzug der letzten Tage oft unter dem Aspekt der Kraft, der Energie angesehen. Neben einer „schrägen Ästhetik“, die er über alles liebe, sei es die Wahrnehmung der Kraft in einem Werk, die er für besonders wichtig halte. Energie übertrage sich. Und gerade die Energie aus solchen Werken wirke ja auf den Betrachter. Der könne sich dem nicht entziehen. Und sei dann emotional betroffen oder besser getroffen. Und die eigene Kraft fließe auch in das Werk ein. Das könne man spüren.

Rudolf der Bildhauer hielt das für Firlefanz. Über den Kopf sollten sich die Dinge erschließen. Vernunft sei angesagt. Und eine Skulptur sollte genau dies wiedergeben. Wenn sein Kubus sich verändere, sei das Ergebnis dieses Prozesses wichtig, nicht so sehr der Prozess und die dabei freiwerdende Energie. Er habe auch nie den energetischen Ansatz von Beuys nachvollziehen können. Theoretische Überhöhung sei das, esoterisches Gequassel.

Ich habe gestaunt.

Buchalov

For my english readers:

In addition to an „schräge Ästhetik“, that he loves, the perception of the force in a work was particularly important for Juergen. Energy transfers itself. And just the energy from such works would have an impact to the viewer. Nobody could escape for that. And then the viewer is  emotionally affected, Juergen means.

Rudolf the sculptor thought, that this was nonsense. Only over the head itself things could be understand. Rationality was announced.

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8 Gedanken zu „Energie und Vernunft

  1. Das finde ich total spannend, diese verschiedenen Sicht- und Herangehensweisen. Ich habe fast das Gefühl, meine Ohren wachsen zu großen Tellern heran, als könnten sie so noch mehr erlauschen.
    Klasse Foto!

  2. Ich kann Juergen da nur Recht geben. Immer klappt diese Übertragung von Energie von Künstler auf sein Werk aber nicht. Wenn es aber funktioniert, dann ist es etwas ganz Besonders, was sich auch auf den Betrachter überträgt und dem man sich nicht entziehen kann. Für esoterisches Gequatsche halte ich das auf keinen Fall.
    Dir Juergen einen kreativen 3 Advent wünscht Bine

  3. Ich glaube mich zu erinnern, dass der Satz von Olaf Metzel stammt: 100 Künstler = 100 Berufe. Und so gibt es die „Vernünftigen“ und die „Unvernünftigen“ – und nicht nur die. Und wahrscheinlich (das müsste man mal auf einen entsprechenden Prüfstand stellen) ist jegliche Kunst eine Form der Überhöhung, ob intellektuell, formal oder theoretisch. Vor esoterischem Gequassel kann man sich allerdings wirklich nur in acht nehmen, wobei es natürlich schwierig ist, zu sagen, wo das Gequassel jetzt esoterisch wird und wo wirklich etwas spürbar ist. Wenn ich früher durch den Darmstädter Beuys-Block im Hessischen Landesmuseum gewackelt bin, dann war da – jenseits jeglicher Esoterik – wirklich etwas spürbar. Liebe Grüße nach Geldern!

    • Hallo Klaus!
      Du triffst den Nagel auf den Kopf: wo ist die Grenze zwischen esoterischem Gerede und emotionaler Echtheit, zwischen energetischen Phantasien und ernsthafter subjektiver Wahrnehmung. Beim Schreiben merke ich schon, wie schwierig die präzise Formulierung ist und in welchen seichten Gewässern ich mich bewege.
      Und keiner von uns kann sich – so glaube ich – davon frei machen, obwohl wir doch alle so vernünftig erscheinen wollen, dass Fragen des Übersinnlichen, des Energetischen – auch durch Beuys – faszinierend auf uns wirken.
      Einen weiteren Blogbeitrag meinerseits ist das wohl wert.
      LG Juergen

  4. In meinem Studium habe ich ja sehr profitiert von dem ein oder anderen philosophischen Seminar zur Ästhetik, das ich besucht habe (zumindest bilde ich mir das manchmal ein – zum allermindesten bietet mir das ein oder andere manchmal einen kleinen Ankerpunkt im Ozean der Begrifflichkeiten). Mir fällt da grade die Schrift „Die Aktualität des Schönen“ von Hans-Georg Gadamer ein, der in dieser Schrift die Kunst an drei wesentlichen Punten festmacht: Kunst ist Symbol, Spiel und Fest. Und vielleicht hilft hier der Begriff des Symbols ein wenig weiter: Symbol aus dem griechischen kommend als die Tonscherbe, die an das einmal vollständige Gefäß erinnert. Wir haben nur noch die eine Scherbe in der Hand, diese lässt aber auf das ganze Gefäß schließen (und gehört auch zu diesem zwingend dazu). (Ich hoffe, kein Philosoph muss sich jetzt vor Schmeru winden, wenn ich das so nonchalant aus dem Gedächtnis und meinem Verständnis herbeizitiere). Sie steht also symbolisch für das Ganze. Im übertragenen Sinn: das – wie auch immer – gelungene Kunstwerk erinnert uns an die grundmenschliche Bedingungen und Befindlichkeiten, auf die es schließlich verweist. Und dies läuft nicht auf intellektueller Verstehensebene, sondern als „Erinnerung“. Vielleicht ist dies das – echte und ehrliche – Energetische, das wir vor dem ein oder anderen Werk zu empfinden vermögen.

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