Holzschnitt zeitgemäss, die Frage

BUCHALOVS FREUNDE °°°°°°°

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Die Frage beschäftigt. Schon lange. Nicht nur mich.

Aber insbesondere der Hinweis von Armin Rohr   – „wenn Holzschnitt keine zeitgemäße Technik ist – welche Technik ist es denn?“  – hat einiges bei mir bewirkt. Und mich verunsichert. Auch meinen gedanklichen Ehrgeiz geweckt.

Dann muss eben erst einmal eine Liste her, eine Sammlung von Begriffen, ein Mindmap, so denke ich, zur Frage, was denn „zeitgemäß“ eigentlich  bedeuten könnte. Also hier ein erster Versuch:

zeitgemäß

zeitgemäß = zeitgenössisch

modern =  neuester Stand der Entwicklung, der Zeit entsprechen

Zeitgeist = Trend

avantgardistisch = neu, Fortschritt

aktuelle = auf dem neusten Stand, gegenwartsnah, frisch, fortschrittlich, progressiv

technologische Neuheiten

Technik und Thema zeigen in ihrer Kombination Neues

Und es ist zu fragen bzw. zu prüfen, ob es Künstler gibt, die in diesem Sinne mit dem Holzschnitt umgehen. Mir sind bei meiner Internetrechersche da einige Namen aufgefallen: Thomas Kilpper, Franz Gertsch, die Brüder Gert und…

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13 Gedanken zu „Holzschnitt zeitgemäss, die Frage

  1. Eine Bleistiftzeichnung ist genauso viel oder wenig zeitgemäß wie ein Holzschnitt. Also: Was soll’s?
    Hängt das Zeitgemäße von der Technik ab? Nur auf der Oberfläche, oder?

    • Dem bin ich auf der Spur und werde naechste Woche einige Kuenstler vorstellen, die wichtige Beitraege zur Zeitgemässheit des Holzschnittes leisten. Ihre Themen und Vorgehensweise sind dabei fuer mich entscheidend.
      Dem „was soll’s“ kann ich nicht so folgen, an einem innovativen Ansatz bin ich schon interessiert.
      Schoenes Wochenende
      Juergen

      • Hm, da habe ich noch mal nachgedacht. Mir scheint, man muss Mode und Zeitgemäßheit unterscheiden. Und dann noch die Frage, ob eine künstlerische Technik als solche neu, innovativ ist.
        Der Holzschnitt ist natürlich eine uralte Technik, als Technik generell also natürlich etwas, das nicht innovativ ist. Es sei denn, man kitzelt da irgendwo noch was Neue heraus, technisch meine ich, aber ich glaube kaum, dass das möglich ist.
        Der Holzschnitt war ja natürlich schon 1910 – 1925 eine uralte Technik, zunächst überhaupt nicht in Mode, bis einige Künstler sich diese uralte Technik genommen haben und damit innovative und absolut zeitgemäße Werke geschaffen haben.
        Heute ist der Holzschnitt sicherlich nicht in Mode. Somit, wenn man so will, sicherlich nicht zeitgemäß. Aber ob man mit dieser uralten Technik auch heute noch zeitgemäße Werke schaffen kann, lässt sich theoretisch nicht klären. Man kann höchstens fragen: Ist es dem Künstler xy gelungen, mit der alten Technik des Holzschnittes ein Werk zu schaffen, das auf der Höhe der Zeit ist, das also der Zeit etwas zu sagen hat. — Was ich mit meinem flapsigen „Was soll’s“ sagen wollte: Das ist keine Frage der verwendeten Technik. Werke, die wirklich auf der Höhe der Zeit sind, hat der gute Adorno mal sinngemäß gesagt, sind immer Werke, die sich dem, was für zeitgemäß g e h a l t e n wird, verweigern……….

      • Hallo Martin!
        Vielen Dank für Deine „Denken“ und den Kommentar.
        Es ist wahr: ich bin in der Terminologie zum Begriff „zeitgemäss“noch nicht sehr exakt und vorher ist Deine feine Unterscheidung zwischen Mode und Zeitgemässheit schon sehr hilfreich.
        Wie schon an anderer Stelle gesagt, und dies wird von Dir ja auch so gesehen, ist der Holzschnitt Teil einer großen Toolbox. So möchte ich ihn auch verwenden.
        Und der Satz von Adorno, dass die Werke, die sich dem Zeitgeist verweigern auf der Höhe der Zeit sind, der gefällt mir. Ich habe immer flachsig gesagt, dass ein Werk gegen den Strich gebürstet sein soll, um „neu“ zu wirken. Oder eine schräge Ästhetik bedienen soll.

        LG Juergen

  2. Danke für die Erwähnung! Die Frage treibt mich hin & wieder auch um – nicht unbedingt in Verbindung mit Holzschnitt – eher grundsätzlich.

    Was ist der Zeit gemäß?

    Wenn jemand sagt: „Dies oder jenes ist der Zeit gemäß!“ – macht er sich da nicht gleich verdächtig?

    • Ich sehe das unter dem Aspekt „Innovation“ und „Inspiration“ und was sich nicht aendert, kannste vergessen.
      Um mein eigenes Ding zu machen, Mainstream will ich nicht sein, horche ich nach Innen, aber eben auch nach Außen. Und die Frage nach der Zeitgemaessheit hilft da manchmal.
      Und zum alten Eisen möchte ich auch nicht gehören.
      Gruß Juergen

  3. Ich bin mal gespannt auf die Künstlerliste. Grundsätzlich weiß ich nicht, ob es unzeitgemäße künstlerische Techniken gibt – Technik im Sinn von Werkzeug, um eine Sprache zu entwickeln. Die Frage ist ja eher, ob die Sprache den Ton, den Nerv der Zeit trifft.

    • Ob es unzeitgemässe künstlerische Techniken gibt, weiß ich auch nicht. Ich weiß aber, dass es Techniken gibt, die innerhalb einer Zeit „nicht so angesagt“ sind. Dazu zähle ich momentan auch den Holzschnitt. Auch die Radierung. Auch die Monotypie usw.
      Ich weiß aber auch, dass wie in einer Pendelbewegung das, was heute nicht auf der Höhe der Zeit ist, morgen durchaus wieder top sein kann.
      Und das hat sicherlich nicht mit der Technik zu tun, sondern damit, wie eine Thema mit einer solchen Technik innovativ, vielleicht auch gegen bisherige Sehgewohnheiten, umgesetzt wird.
      Und dem will ich auf die Spur kommen. Ich suche nach meinem Ansatz beim Einsatz des Holzschnittes, der ein wenig über das Übliche hinausgeht. Das würde mir schon reichen.
      LG Juergen

  4. Hallo Jürgen.
    Ist überhaupt die Frage nach einer Technik zeitgemäß, oder auch nur sinnvoll? Ich beginne hier mit einer weiteren Frage, weil ich denke, dass das wirklich entscheidende ist, ob ein Künstler mit einer bestimmten Technik einen eigenen Ansatz findet, mit dem er sich auszudrücken vermag. Manche, wie die Brüder Gerd und Uwe Tobias oder Uta Zaumseil beantworten Deine Frage, indem sie es einfach tun, … in dieser (altmodischen) Technik Holzschnitt zu arbeiten, und damit ihren eigenen Weg gehen.
    Wenn ich als Künstler plötzlich den Drang verspüren würde, die sicherlich nicht mehr ganz zeitgemäße Technik der Höhlenmalerei für mich als Ausdrucksmittel zu entdecken … dann würde ich einfach damit beginnen. Bevor man sich zu sehr im theoretischen Für und Wider einer Technik verstrickt (vermutlich kann das auch sehr lähmen), sollte man einfach die ganz praktischen Aspekte dieser Technik für sich und seine Ausdrucksmöglichkeiten ausloten.
    Liebe Grüße
    Dieter

    • Hollo Dieter!
      Vielen Dank für Deine Antwort.
      Das mit dem einfachen Tun gefällt mir. Daher treffe ich mich ja auch mit Susanne Haun und Jörg Möller jetzt vierzehn Tage lang, um einfach mal auszuprobieren und den Austausch über das Holz schneiden zu vertiefen.
      Mein Ansatz wirkt vielleicht im ersten Moment etwas sehr verkopft auf Dich, ich kann mich auch einen Kommentar von Dir erinnern, wo Du feinfühlig auf diesen Aspekt schon einmal hingewiesen hast, aber ich arbeite gerne parallel. Da jetzt das Projekt „Holzschnitt“ ansteht, der Blog bedient werden soll und aus dem Tun heraus auch grundsätzliche Gedanken Platz haben sollen, habe ich diese Frage nach der Zeitgemässheit des Holzschnittes wie eine Stein ins Wasser geworfen und schaue fasziniert der Wellenbildung zu. Und lerne.
      Alles Gute, LG an Euch
      Juergen

  5. In den letzten Wochen malte ich auf die Wand. Wandmalereien gab es ja schon in der Steinzeit. Für mich sind sowohl die Wahl des Mediums als auch eine bestimmte Technik Werkzeuge. Werkzeuge, mit denen ich meine Anliegen, meinen Gedanken, meine Idee zur Sprache bringe. Ich entwickle also eine Bildsprache mittels dieser Werkzeuge. Stellt sich das nicht eher die Frage, wie zeitgemäß die Sprache ist, die ich da entwickelt habe?

    Ich bin gespannt auf die Künstler!

    • Sehr gut, diese feine Unterscheidung zwischen Technik und künstlerischer Sprache und bzw. Ausdruck mittels der Technik. Und ob diese Sprache zeitgemäss ist. Den Faden spinne ich fort.
      LG Juergen

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