lass uns mal über das Tauschen nachdenken …

IMG_5231Juergen sagte zu mir: „Lass uns mal über das Tauschen nachdenken, ja?“ „Wie meinst Du das?“, fragte ich. Er erklärte mir, dass in seinem Kopf die Idee umhergeistere, dass er seine Kunstwerke nicht mehr verkaufe, sondern gegen andere Dinge tausche. Der Kunstmarkt sei dabei aussen vor. Das gefalle ihm besonders. Diese ewige Buhlere um Ausstellungen und Gallerien und Verkäufe und Kontakte und Räume und Termine und Akzeptanz und und und sei er einfach leid. Die Energien, die dafür aufzuwenden seien, könne man ja wohl besser an anderer Stelle einsetzten.

Und mit Tauschen sei all das gemeint, was der Interessent für das Werk so einbringen könne – auch ohne Geld zu verwenden. Was das denn sein könne, fragte ich. Man könne alles einbringen meinte Juergen: Texte schreiben, Bücher Korrektur lesen, Massagen durchführen, jemanden von A nach B fahren, den Einkauf erledigen, die Fenster putzen, eine Bilderserie fotografieren, ein Essen kochen, ein Porträt zeichnen, Geld spenden, ein Glückslos kaufen, und und und. Alles das, was Menschen können, das, was sie mit Leidenschaft und Geschick tun, alles das kann als Gegenleistung im Tausch eingebracht werden, sinnierte er. Der Tauschwert müsse natürlich immer individuell ausgehandelt werden. Aber die sei ja auch eine Form der Kommunikation. Und nicht mal die Schlechteste.

Was ich davon halte, fragte er. Ich weiss es nicht. Ich war perplex. Ich habe mir Bedenkzeit genommen.

Buchalov

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15 Gedanken zu „lass uns mal über das Tauschen nachdenken …

  1. Das gefällt mir natürlich, so, wie mir die Verwandlung von Bildern in Projektförderung gefällt, oder ein Haarschnitt gegen eine Papaya wie dereinst in Uganda. …ich fürchte nur, die Begrenzung wird für den Normalbürger durch die Grösse der verfügbaren Wandfläche gegeben. Es sei denn, Du drucktest Dein eigenes Kunstgeld, ganz individuell, diese Idee ist sehr reizvoll, ein Holzschnittzehner, ein Mixedmediazwanziger, ein Lithofünfziger, farblich abgestimmt auf den Tauschpartner, vielleicht noch mit interessanter Aufschrift. Ach, das wäre mal ein neues Projekt wert…:)

  2. Ich denke, dass Problem liegt daran, dass kaum ein Vermieter bereit sein wird, eine Wohnung, ein Atelier gegen Kunst zu vermieten. Auch im Supermarkt konnte ich noch nicht mit meinen Bildern zahlen. Sicher, es gab immer mal wieder Tauschgeschäfte, die ich sehr schätze. Ich habe meine Friseuse Akt gezeichnet und dafür hat sie mir einige Male die Haare geschnitten. Ich kenne viele Künstler, die lehnen Tauschen generell ab. Ich tausche gerne meine Arbeiten mit anderen Künstlern. In einem großen Kasten sammle ich die Kunst und in meinem privaten Bereich hänge ich diese Arbeiten auch.

    • Hallo Susanne!
      Das System ist das System und natürlich werden wir die Dinge des Lebens auch weiter mit Geld bezahlen müssen. Das läßt sich wohl kaum ändern. Aus diesem System ist ein Aussteigen wohl nicht möglich.
      Und wenn Du im Supermarkt nicht mit Bilder bezahlen kannst, so ist das aber bei Deiner Haarbehandlung durchaus möglich – wie Du schreibst. Tauschen funktioniert also durchaus auch im täglichen Leben.
      Mir geht es darum, das neben der herkömmlichen und fest in den Köpfen sitzenden Vorgehensweise ( Kunst gehört auf den Kunstmarkt, Bilder wollen verkauft werden, wenn meine Werke nicht verkauft werden, dann erfahre ich keine Wertschätzung, meine Werke sind etwas Besonderes und dieses Besondere soll sich in monietären Werten ausdrücken usw.) eine weitere kleine, schmale Möglichkeit mitgedacht wird: der Tausch.
      Meine Erfahrung ist, dass die Mehrzahl der Künstlerinnen und Künstler nicht alleine vom Verkauf ihrer Werke leben können und sie daher in anderen Tätigkeitsfeldern ihren Unterhalt verdienen müssen. Auch die finanzielle Unterstützung durch Lebenspartnerinnen oder Partner muss an dieser Stelle Erwähnung finden. Warum also dann den Tausch als Wertschöpfung nicht als weitere Möglichkeit mitdenken?
      Der Tausch der Arbeiten zwischen Künstlern ist ein anderer Bereich. Da geht es um anderes – vor allen Dingen nicht um Wertschöpfung über die eigenen Werke.
      Liebe Grüße Juergen

      • Lieber Jürgen, ich wünsche mir, dass die Menschen erkennen, dass auch die Kunst zu den Dingen des Lebens gehört. Wertschätzung ist wichtig für die Seele. In Ausstellungen arbeite ich des öfteren für „Ruhm, Ehre und Vaterland“, wie es so schön heisst. Wertschätzung erhalte ich in Ausstellungen immer. Ich finde, das nicht nur Geld über die Wertschätzung meiner Kunst entscheidet. Liebe Grüße sendet dir Susanne

  3. Ich finde die Idee klasse und bin schon lange Fan von den Tauschbörsen, die es auch hier im kleinen Wiesental gibt, aber, wie leider immer, gibt es das Problem, dass viele Selbiges anbieten, trotzdem finde ich, dass man dem Tauschraum mehr und mehr ausweiten sollte …
    merci, lieber Jürgen und herzliche Abendgrüsse
    Ulli

  4. http://harthbasel.de/?page_id=841
    Geld hat mich thematisch schon immer interessiert. Und die Frage, was was wert sei. Ich finde sie nur schwer zu beantworten und brüte grade über einem weiteren Projekt. Eigentlich bestärkt mich diese kleine Diskussion darin, dies wirklich ernsthaft zu verfolgen. Brüte aber noch. Kunstgeld interessiert mich als Thema weniger. Was ist damit gewonnen? Welche Fragen beantwortet das? Es bleibt ein Kreislauf mit Geld. Wenn auch im kleineren Maßstab und selbst gestaltet. But: so what? Viele kleine Gemeinden (wenn ich mich recht erinnere, habe ich da letztens einen Artikel über ein Dorf in Großbritannien gelesen) führen das ein, um das Wirtschaften im eigenen Umfeld zu fördern. Ein „Kunst-Geld“ einzuführen wäre da ja irgendwie nix anderes. Das ist so ein bisschen wie Fantasy-Romane: Mir gefällt die reale Welt nicht so wie sie ist, also erfinde ich mir eine andere, die anders aussieht, wo es Elfen gibt und sonstwas, die aber aber schließlich genauso funktioniert, wo man sich die Köppe genauso einschlägt, wie hier bei uns. Die Tauscherei ist da schon ein wenig interessanter, aber auch da sehe ich den interessanteren Punkt dort, wo es generell funktioniert, also nicht auf Kunst gegen Ware tauschen beschränkt bleibt. Und viele alternative Gruppen tun dies ja auch bereits.
    Den Tausch von Kunstwerken als eine Art Wertschöpfung zu begreifen, um das Problem zu lösen, dass viele Künstler nicht von ihren Arbeiten leben können, finde ich auch schon schwieriger.
    Ein vielleicht auf den ersten Blick charmanter Gedanke, aber löst das wirklich das Problem? Wenn jemand das kleine Bild nicht kaufen will, für dessen Erlös ich mir dann zehn neue Haarschnitte leiste, wieso liegt dann der Gedanke näher, dass er das Bild im Tausch haben möchte??
    Das kann es geben, aber dann könnte man es auch über Bezahlung abwickeln.
    Oder natürlich auch über Tausch.
    Aber wo wäre der Unterschied?
    Jemand, der ein Bild nicht kaufen will, der tauscht es auch nicht, oder doch?
    Wäre eine spannende Frage in diesem Zusammenhang.
    Viele Fragen…
    Eine komplette Ausstellung als Tauschbörse Bild gegen Ware/Dienstleistung: mach das mal! Das fände ich als konzeptuelle Arbeit durchaus spannend.
    (Übrigens hatte schon während unseres Studiums ein Kommilitone von mir die Idee, einen Stand in der Bahnhofstraße zu machen, an dem er seine Zeichnungen anpinnt und diese einfach verschenkt. Hat er nie gemacht, fand ich aber auch sehr interessant als Idee).
    Tauschen ist ein interessantes Konzept, aber nicht um die ungeklärten Probleme des Kunstmarktes anzugehen, eher vielleicht um die ungeklärten Probleme unseres Gesellschaftsmodelles anzugehen.

    • Lieber Klaus!
      Danke für Deinen ausführlichen Kommentar.
      Ich beabsichtige in den nächsten Tagen zum Thema „Tausch“ einen weiteren Beitrag zu posten und werde mit Sicherheit Deine Denkanstöße aufgreifen. Folgende Fragen stehen dabei im Raum:
      Welchen Sinn macht die Einführung von Kunstgeld?
      Muss/kann Tauschen generell oder punktuell funktionieren?
      Wird durch Tauschen die Umwandlung des Werkes in einen anderen materiellen Wert vereinfacht?
      Ist Tauschen eine Alternative zum Verkaufen oder eine Ergänzung?
      Wie funktioniert eine Ausstellung als reine Tauschbörse? Und wie läßt sie sich realisieren? Macht sie Sinn?

      In diesem Sinne, alles Gute
      Juergen

      • Übrigens ist mir da noch ein „berühmtes“ Beispiel eingefallen: Martin Kippenberger bestückt die Paris-Bar in Berlin mit seinen Gemälden und darf dafür lebenslang dort speisen und trinken (und das sogar mit Begleitung, wenn ich mich recht erinnere).
        Ein weniger bekanntes Beispiel: Ich habe den Hochzeitsmusikanten auch mit einem Bild entlohnt (weil ER es so wollte, ER wollte kein Geld für seine Musik, sondern lieber ein Bild). 🙂

  5. Pingback: und dann das: tauschen | BUCHALOVS BLOG ••••••••

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