und dann das: tauschen

IMG_0379

Eine kleine Diskussion hat das Klaus Harth genannt, was da zum Thema tauschen vor einiger Zeit geschrieben wurde. Seit Tagen schleicht Juergen jetzt durchs Atelier „Zelle k5“ und grummelt zum Thema vor sich hin. Und heute morgen dann das:

Begonnen habe es ja ursprünglich mit dem Tausch. Menschen hätten Gegenstände den Besitzer wechseln lassen und getauscht. Und dann sei das Geld als Mittel der Erleichterung des Tauschs verwendet worden. Aber immer schon sei es um den Wert der Tauschgegenstände und ihre Gleichwertigkeit gegangen. Das Geld, in welcher Form auch immer habe das nur erleichtert. Mit der Verwendung des Geldes habe sich das Verfahren vereinfachen lassen. So habe er das mal gelernt, sagte Juergen.

Sich über Fragen und mögliche Antworten den Dingen annähern, das mag Juergen. Frage mich was, hat er mich aufgefordert. Und ich:

Muss/kann Tauschen heute generell oder punktuell funktionieren? Natürlich könne Tauschen punktuell funktionieren. Mehr aber auch nicht. Eine Generalisierung des Tauschverfahrens sei bei den starken Strukturen des momentanen Geldwertewandels nicht möglich. Tauschen sei auch als „Geldersatzverfahren“ nicht in den Köpfen verankert. Da sei er realistisch. So Juergen

Und ich: Welchen Sinn macht die Einführung von Kunstgeld? Das laufe alles unter „Spielen“, meinte Juergen. Denn aus der reellen, monetären Welt sei zur Zeit nur ein gedanklicher Ausstieg möglich, oder? Also sei es doch ein schöner Gedanke, sein eigenes Geld zu entwerfen , sein eigenes Geld zu drucken und zu begreifen wie das so funktioniert. Und ob sich jemand findet, der dabei mitmache und dieses Geld auch noch als Zahlungsmittel akzeptiere, sei eine verlockende Erwartung, nach dem Prinzip: komm lass uns spielen.

Und ich: Wird durch Tauschen die Umwandlung des Werkes in einen anderen materiellen Wert vereinfacht? Nein, auf keinen Fall, sagte Juergen. Im Tausch wird alles komplizierter. Man muss einen Tauschpartner finden, der sich auf den Ausstieg aus dem bisherigen System einläßt, was schon schwer genug ist. Und man muss seinen Tauschwert kommunikativ abgleichen, die Ernsthaftigkeit des Verfahrens deutlich machen, mit dem Gegenüber auf Augenhöhe verhandeln, der Versuchung nicht erliegen, ihn  zu übervorteilen, und und und

Ich: Ist Tauschen eine Alternative zum Verkaufen oder eine Ergänzung? Juergen: Tauschen kann nur eine Ergänzung zum Verkaufen der Kunstwerke sein. Alle ticken so, alle: kaufen und verkaufen. Wer verkaufe, sei wer. Wer verkaufen könne, produziere „gute“ Kunst und sei als Künstler anerkannt. Nur so habe man das Gefühl wertemässig auf der sicheren Seite zu sein. Und die Gewohnheiten seien eben so. Das System funktioniere so und er könne nicht erkennen, dass sich das in absehbarer Zeit ändern werde.

Und ich, zum Abschluss: Wie funktioniert eine Ausstellung als reine Tauschbörse? Und wie läßt sie sich realisieren? Macht sie Sinn?  Das wäre mal ein Versuchsballon, den man starten könne, meinte Juergen. Als Versuch, um Erfahrungen zu machen und sie zu reflektieren, mache  es Sinn. Er glaube, dass es so etwas auch schon einmal im Saarbrücker – Raum gegeben habe. Von einer Galerie organisiert. Aber zu der Art und Weise wie man das organisieren könne, falle ihm im Momentan nichts ein.

Buchalov

 

 

Advertisements

11 Gedanken zu „und dann das: tauschen

  1. ich habe mal ne zeitlang gedacht, es müsste Leihpinakotheken geben, so wie Leihbibliotheken. Mir gefiel der Gedanke, dass mal jemand meine Bilder dort ausleiht, und ich hingehe, um mir selbst was auszuleihen und was Neues an meine Wände zu kriegen. Bilder zu kaufen fällt mir schwer. Ich habe nur wenige gekaufte. Aber geliehene – sagen wir mal für 6 Monate – das wäre was für mich.-

  2. Lieber Jürgen,
    auf Kunstmessen und -börsen tausche ich regelmäßig meine Kunst gegen die Kunst der anderen Aussteller. Manche mögen dies und manche mögen es nicht.
    Beim Tauschen ist eine Einschränkung vorhanden: Wenn ich Geld bekommen, kann ich mir davon alles kaufen, was es am Markt gibt. Meine Wohnung, Essen, Bücher, Kleider usw. Wenn ich Gegenstände tausche, bekomme ich „nur“ ein bestimmtes Produkt zurück. Du solltest in deinem Tauschprojekt auch Arbeitszeit / – kraft beachten. Dieser Aspekt fehlt mir. Denn es kann sich ja nicht nur um Gegenstände handeln.
    Kunst wird nicht nur geschätzt, wenn Geld dafür gegeben wird. Sie wird auch dann geschätzt, wenn eine Aussage dahinter steht, wenn sie gute Gefühle vermitteln etc. Viele Philosophen haben sich damit beschäftigt, was Kunst denn nun ist… darunter auch Hegel. 🙂
    Um aber von der Kunst leben zu können, muss der Künstler die Kunst als ein Produkt sehen. Ein Produkt ohne praktischen Zusatznutzen ist schwer zu verkaufen. Aber für den Kunstverkauf gelten dieselben kaufmännischen Regeln wie für die Nägel in der Nagelfabrik. Bist du schon mal auf die Idee gekommen, Nägel einzutauschen, statt diese mit Geld zu bezahlen? Was ist der Unterschied zwischen den Nagel und der Kunst?
    Nichts für ungut 🙂 und liebe Grüße von Susanne

    • Hallo Susanne!
      Vielen Dank für Deinen Beitrag.
      Sind wir wirklich bei diesem Thema wirklich so weit auseinander?
      Und um beim Beispiel der Nägel zu bleiben: Nägel haben einen Nutzen, Kunst hat auch einen Nutzen.
      Und wenn ich mit Nägeln bezahlen könnte, würde ich dieses Zahlungsmittel in mein Repertoire aufnehmen. Und wenn ich mit Kunstwerken zahlen könnte, z.B. indem ich sie eintausche, fände ich das ebenfalls gut.
      Liebe Grüße Juergen

      • Nein, Jürgen, ich glaube wir sind mit dem Thema schon sehr eng beisammen. Ich habe mal irgendwo gelesen, eine Arbeit ist Kunst, wenn sie keinen Zusatznutzen hat. Aber ich diskutiere gerne darüber, dass diese Aussage falsch ist.
        Liebe Grüße von Susanne

      • Welchen Zusatznutzen hat Kunst? Zu erfreuen? Nachdenklich zu machen? Diskussionen anzuregen? Wie kann dieser Nutzen erfasst werden? 🙂 🙂

      • Liebe Susanne!
        Danke für diesen erneuten Hinweis. Ich werde noch einen weiteren Beitrag zum Thema in den nächsten Tagen veröffentlichen und Deinen Hinweis dabei aufgreifen. Vielen Dank. Liebe Grüße

  3. Lieber Jürgen, ich überlege gerade, ob wir nicht im System bleiben, wenn wir nun beginnen unser eigenes Geld zu drucken, um damit zu „spielen“- da es ja weiterhin um den Wert gehen wird. Es ist ja eine der älteren Fragen: was ist was wert, bzw. welche Arbeit ist wieviel wert? Ist die Arbeit einer Klofrau (das Paradebeispiel …) weniger wert, als meine Texte, deine Bilder?
    liebe Grüsse
    Ulli

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s