Untersuchung eines Malstückes

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Das „Prinzip Rhizom“ als Methode: Juergen hat eine kleine bemalte Wellpappe, ein Malstück wie er sagt, als Ausgangspunkt weiterer kreativer Aktivitäten genommen. Das Malstück ist sein Keimling. Ein unscheinbares Teil mit Farben, die Juergen so nicht zusagen. Es sind die Farben von Jöer Möller, und er hat Juergen dieses Malstück mit bedeutungsschweren Worten ans Herz gelegt und übergeben – als Teil des gemeinsamen Projektes „zweifertig“. Jeder gibt dem anderen einen Teil eines Kunstwerkes mit der Bitte, es nun fertigzustellen. Sie sind jetzt im Laufe der Zeit beim „Block neun“ angelangt.

Juergen hat dieses Malstück nun untersucht: fotografisch, zeichnerisch, malerisch und drucktechnisch. Das entspricht seiner momentanen Vorgehnsweise. Und dabei kommt er, so meint er jedenfalls, den Dingen auf die Spur und erfährt wie sie zu ihm stehen.

Buchalov

Rhizom

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Sie hat zugesagt. Das scheint Juergen sehr wichtig zu sein. Schon vor einigen Tagen hat er nämlich Barabara Schmitz Becker gefragt, ob sie nicht Intersse habe, mit ihm in eine „Rhizomwoche“ einzusteigen. Jetzt hat sie zugesagt, denn die Idee von Juergen scheint gezündet zu haben.

Ich habe ihn gefragt, was denn eine „Rhizomwoche“ sei? Juergen hat wie immer rumgedruckst, und ich glaube, er weiß das gar nicht so genau – im Detail jedenfalls. Er erzählt mir allerdings immer von dem Rhizom als Methode der künstlerischen Erarbeitung von Themen, dem Rhizom als Präsentationsform und dem Rhizom als künstlerisches Thema. Auch auf der „Buchalovs Freunde Tour“ ist ihm das Prinzip wohl öfter über den Weg gelaufen.

Und jetzt will er sich mit Barbara ein paar Tage auf den Weg machen. Barbaras Anknüpfungspunkt ist ihr „EdenZwo Labor“, in dem sie sich mit biologischen Prozessen, einer grundlegenden biologischen Samenbank und eben auch Rhizomen beschäftigt.

Ich glaube, da haben sich zwei gefunden.

Buchalov

Aha!

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Juergen hat mir ein Blatt zugesteckt. Da hat er so drauf rumgedruckt. Abfall habe ich zuerst gedacht. Aber auf der Rückseite stand Folgendes:

Methoden der Annäherung an ein Thema/ Methoden dr Entwicklung:

Methode zweifertig: Unfertiges wird von Person A an Person B mit dem Ziel der Fertigstellung übergeben.

Methode Dialog: Die Zwischenschritte oder das vorläufige Endergebnsi eines Werkes werden dialogisch besprochen.

Methode Stichworte zeichnen: das Thema liegt vor und es erfolgt eine Annäherung an mögliche  Formen der Umsetzung auf zeichnerischem Wege. Inhaltliche Aspekte des Themas werden zeichnerisch visualisiert.

Methode Variationen: am Anfang steht zum Thema eine zeichnerische Skizze, die weiter verarbeitet wird, es werden Variationen und kleine Veränderungen eingebaut und dies wird wieder kopiert, kleine Veränderungen eingeschlossen usw.

Methode Druckskizzenbuch: ein Blankobook oder ein Kunstbuch (mit eingeweißten Seiten) werden zum Thema mit Zeichnungen gefüllt, diese werden mit Drucken von Restholz ergänzt und in einem letzten Schritt wird dem Ganzen eine zeichnerische Geschlossenheit verliehen

Methode einkreisen: das Motiv, die Idee, der Auftrag liegen vor und werden nun gedanklich, zeichnerisch, fotografische eingekreist. Es zeigen sich rote Linien, die auf Realisierbarkeit geprüft werden können.

Methode trial and error: es wird einfach gemacht. Die Ergebnisse werden als Zwischenschritt begriffen und gedanklich reflektiert. Der Zufall ist fester Bestandteil des Vorgehens. Aus den Zwischenergebnissen wird Neues geschaffen.

Methode Brainstorming: man setzt sich ins stillen Kämmerlein und betreibt ein Brainstorming, das man schriftlich oder zeichnerisch festhält. Die Liste ist Ausgangspunkt der Arbeit.

Methode Kollektiv: gemeinsam wird gearbeitet, die Ergbenisse werden besprochen.

Methode Halbschlaf: im morgendlichen Halbschlaf, kurz vor dem Aufstehen, der Kopf ist noch rein, werden gedankliche Fetzen  zu einem Thema hin und hergewälzt und später am Frühstückstisch in irgendeiner Form festgehalten.“

Aha, habe ich gedacht. Das beschäftigt dich also.

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Künstlerbuch „Füsse“

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Heute morgen hat Jürgen beim Frühstück ein Gespräch mit mir geführt, ein nachdenkliches wie ich finde. Er hat davon erzählt, dass er ein neues Künstlerbuch eingestellt hat, Titel „Füsse“, und dass es Teil des achten Blockes im gemeinsamen Projekt „zweifertig“ mit Joerg Möller sei. Sie geben sich ja gegenseitig unfertige Werke und bitten den anderen, es fertigzustellen. Der letzte Austausch war im Frühjahr 2016.

Es könne sein, dass sich da etwas totgelaufen habe. Er werde mit Jörg darüber reden.

Hier der Link zum Buch: >>>>> [ …]

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Projekt ohne Namen, Intermezzo: der Schweberochen

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Manchmal geht mit Juergen das Temperament durch. Ich muss dann immer den Kopf schütteln. Dann könne er nicht warten, meinte er. „Warten worauf?“ „Na, auf die Antworten von Susanne Haun beim „Projekt ohne Namen“„. Da schicken die beiden sich nämlich einen unfertigen Satz zu, den der andere vervollständigen soll.

„Und dann?“  „Ja, dann vervollständige ich eben meinen eigenen Satz“,  erwiderte er. Als Intermezzo.

Geschickt habe er Folgendes an Susanne: Der, der alleine ins Wasser geht, das ist „der Alleineinswassergeher“ und die, die zu mehreren gehen …

Und vervollständigt durch Juergen selbst klinge das so: …, nur die sehen den Schweberochen:!

Susannes Antwort soll nicht unterschlagen werden, sie ist hier zu sehen: >>> … <<<

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Der Isolator trennt nicht, nein, er verbindet.

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Ich weiss schon nicht mehr genau, wann sie in der Ateliergemeinschaft mit dem Thema „Isolator“ gestartet sind. Lange ist es her, ein Jahr sicherlich. Letzte Woche hatten sie nun die Idee, gemeinsam zu frühstücken und sich die Ergebnisse ihrer Arbeit gegenseitig vorzustellen. Über das weitere Vorgehen könne man dann ja anschließend entscheiden. Juergen fand das eine sehr, sehr  gute Idee. Am Mittwoch haben sie sich getroffen.

Sie haben Rühreier gebrutschelt, Marmelade und selbst gebackenen Hefekuchen auf den Tisch gestellt, Kaffe frisch aufgebrüht. Schön wars. Wirklich schön und intensiv und ehrlich und behutsam und klärend. Das Thema verband die vier intensiv. Sie haben sich wohl gefühlt – war mein Eindruck.

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Und „Rudolf, der Bildhauer“ sagte: am Anfang habe für ihn nur diese Form des Isolators gestanden. Aber das habe nicht getragen. Dann sei als Thema der Tod, das Trennende, die Isolation, in den Vordergrund getreten. Ihm sei schon sehr an einem kontrollierten Prozess gelegen gewesen. Daher die vielen Gedanken. Das Zufällige möge er nicht.

Und „Hella, die Energetische“ meinte: sie habe erst einmal ein paar Isolatoren im Internet bestellt,  sie angeschaut und sich hineingedacht. Der Isolator selbst habe zu wenig gestalterische Impulse ausgesendet. Kopfarbeit also dann.  Gut und böse, Himmel und Hölle, verlorengegangene  Seelen seien ihr eingefallen. Und jetzt sei sie dabei, die Isolation der Dinge im Material zu thematisieren. Bakterien und Viren seien im Fokus, auch das Gehirn als Isolator, die Isolation durch Krankheit.

„Hermann der Vernetzer“  zeigte rudimentäre Fotokopien von ein paar Bildern, die den Isolator in Bezeihung setzten zu Raum und anderen Gegenständen. Das Ergebnis sei trashig, meinte er. Und das hatte wohl seine Gründe, denn, so sagte Juergen mir, „Hermann, der Vernetzer“ stecke wohl in einer Schaffenskirise, wenn nicht sogar Identitätskrise. Er meine, er sei halt anders als andere. Und er kapsele sich ab. Der Isolator sei er selbst, so glaube er. Und er frage sich nach dem Sinn des Lebens in einem künstlerischen Elfenbeinturm.

Und Juergen selbst war eigentlich schnell fertig mit seiner  Präsentation. Er zeigte einige Drucke, sein Druckskizzenbuch, das ihm sehr am Herzen lag, weil es ein weiteres Tor in der Art vorzugehen geöffnet habe, erzählte vom Isolatortext, den Martin Häusler geschickt habe und dass alles in sein Projekt „Latos Werkstatt“ eingemündet sei. Hier könnt ihr mehr sehen: >>>>>. Die anfängliche Faszination der Form des Isolators habe auch bei ihm nicht getragen, und er habe sich daher, weil er den Zufall wollte, das Verfahren der Erstellung des Druckskizzenbuchs auferlegt und damit  ein neues Feld betreten, erfolgreich wie er finde. Das sei sein Weg zum wirklichen Inhalt gewesen.

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Projekt ohne Namen: die kalten Hände

Ich bin immer wieder erstaunt: da fliegen halbe Sätze hin und her und die Beiden vollenden sie – zeichnerisch und literarisch. Gemeint sind Susanne Haun und Juergen mit ihrem „Projekt ohne Namen“. Leicht surreal das Ganze. Aber momentan ist ja so vieles surreal, wenn man die Tageszeitung liest oder auf dem Smartphone die Nachrichten verfolgt. Man kann es nicht glauben. Oder nur glauben.

Und Juergen hat nun den letzten Satz von Susanne vervollständigt, den er vor ein paar Tagen erhielt. Das behauptet er jedenfalls.

Susanne: Kalte Hände sind ein kritisches....

Juergen: … Phänomen, denn wie sagte Christoph Ernst Freiherr von Houwald, so ungefähr: „Nimm noch einmal in Deine kalten Hände des warmen Herzens Signatur. Und ist Dein Herzensspiel noch nicht zu Ende, und kommt ein neuer Akt: so klingle nur.“ ( frei übertragen aus: Christoph Ernst Freiherr von Houwald, die Freistatt, vierte Szene, Leipzig 1820)

Und nun bat Juergen mich, an Susanne folgenden halben Satz zu schicken:

Der, der alleine ins Wasser geht, das ist „der Alleineinswassergeher“ und die, die zu mehreren gehen …

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