Tja!

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Vor Jahren durfte Juergen mal das Innere einer ganzen Kirche für seine Ideen in Form einer Installation nutzen. Eine Predigt vor einer beliebigen Kichengemeinde halten – das wollte er auch schon immer mal. An Kirchen kann er grundsätzlich nicht vorbeigehen. Er stromert unterwegs ständig in ihrem Inneren herum. Und Kirchenkunst findet er richtig spannend. 

Also hat er in Münster die Gelegenheit genutzt und ist übers Wasser gegangen.

Buchalov

verankert

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Er schaute mich begeistert an. „Und was hat Dir besonders gefallen, welches Werk?“, fragte ich Juergen gestern. Denn er war am Tage vorher an der Kunstakademie Münster zum jährlichen Atelierrundgang gewesen.

Das sei die falsche Frage, sagte er mir sogleich. Denn die könne er ja nicht beantworten. Er könne aber etwas zu den Zusammenhängen sagen, die ihm ins Auge gesprungen seien, bei den vielen Experimenten und in denen er sich mit seiner eigenen Arbeitsweise auch wiedergefunden habe:

  1. das Material „Papier“: überall in den Räumen und auf den Gängen habe er die Nähe zum Papier gespürt, insbesondere durch die vielen Fotokopien und großformatigen Papierabzügen. Oder in den kleinen Zeichnungen.
  2. das Fragmentarische: durchgängig habe er das gesehen, in der Malerei, bei den Objekten, den Installationen, bruchstückhaft, unfertig, aber dennoch fertig, unvollendet, um im Kopf dann vollendet zu werden.
  3. die Ästhetik der Reste: gerade die Abfallstücke, die Überbleibsel, der Verschnitt seien ins Szene gesetzt worden. Wunderbar!
  4. Und damit korrespondiere: Jedes Material sei verwendbar. Alles könne zum Gegenstand der Bearbeitung werden. Nochmal wunderbar!
  5. die Präsentationsformen: ein wahnsinniger Einfallsreichtum an Formen wie man Werke präsentieren könne sei ihm ins Auge gesprungen. Vieles führe von der Zweidimensionalität an der Wand hinein in den Raum – ein Ansatz, der ihm gefalle.

„Warum fährst Du eigentlich zu einem solchen Atelierrundgang?“, habe ich nachgefragt. „Das ist einfach“, sagte Juergen. Er fühle sich in seiner Art zu arbeiten bisweilen  unsicher, und da er sich dem Wahnsinn des Ausstellungsbetriebes verweigere, sei er auch ein wenig isoliert. So ein Besuch diene der Selbstvergewisserung und liefere Antworten auf die Frage, ob er noch ästhetisch verankert sei und seine Art kreativ zu agieren nicht ein Inselleben führe. Und zu Schauen und damit zu lernen, gerade von den Jungen, gebe es schließlich immer etwas.

Buchalov

Einfach gut, das Ganze!

Mittwoch, Kunstakademie Düsseldorf und Donnerstag, Kunstakademie Münster: Atelierrundgänge.

Juergen und ich haben uns ins Auto gesetzt, sind hingefahren, und haben wirken lassen. Wie waren richtig angetan, von dem was wir gesehen haben – der Energie, dem Mut zum Experiment und den Menschen. Juergen hat, und das will was heißen, sogar einiges an Büchern rund um die Rundgänge gekauft. Ein dicker Pack, da kann er in „Zelle k5“ schön lange schauen und untersuchen. Nur hat er leider kaum Fotos geschossen – in Düsseldorf gar keine und in Münster, na ja! Er sei so gefesselt gewesen, sagte er.

Für ihn seien die Rundgänge immer ausgesprochen inspirierend, erklärte er. Auch wenn die Malerei nicht im Zentrum seines Interesses stehe, so seien es die Videos, die Rauminstallationen, die unterschiedlichen Präsentationsformen, die Performances, das Skulpturale auf das er immer neugierig sei. Ab und an finde man sogar noch grafische Arbeiten und ganz ganz selten auch  Holzschnitte. So auch diesmal. Einfach gut, das Ganze, meint er.

 

 

Buchalov

Praesentation

IMG_1592Das war für Kursentschlossene: Juergen packte mich in sein Auto und ab ging es nach Münster, zum Atelierrundgang der Kunstakademie.

Auf der Rückfahrt fragte ich ihn dann, was ihn so am stärksten beeindruckt habe. Diesmal, so Juergen, habe er verstärkt auf die Art und Weise geachtet wie die Werke der jungen Künstler von diesen selbst präsentiert worden seien. Er habe vieles gesehen – Hingehuschtes, Leichtes, Improvisiertes, Raumgreifendes, Rahmenloses, Prozesshaftes, Schnörkelloses – und dabei gelernt und einiges werde er sicherlich in sein Repertoire  aufnehmen. Er gehe als Betrachter eigentlich nicht mehr an Wänden entlang und schaue auf Zweidimensionales – er sei im Raum als Ganzes unterwegs und schaue. Und viele stellten genau so aus. Das finde er gut. Er, Juergen, habe sich angewöhnt, immer in die Mitte des Raumes zu gehen und von dort erst einmal den Blick schweifen zu lassen. Er nehme das Gefühl in sich auf mitten drin zu sein. Und dann erarbeite er sich die einzelnen Werke Schritt für Schritt und nehme den Raum nach und nach komplett in Besitz.

Buchalov