Projekt ohne Namen: „Worte sind immer …“

Susanne schrieb: „Worte sind immer …“

Und Juergen antwortete: „… gut oder böse.“

Er hat sich für diese kurze Version entschieden, spontan, aus dem Bauch heraus, weil er kurz vorher ein Gespräch mit einer befreundeten Künstlerin hatte und den Beiden dabei das Thema „gut und böse“ über den Weg gelaufen war.

In seinem Notizbuch hatte er schon vor Wochen dagegen etwas anderes notiert: Worte sind immer und wenn sie enden, und sie werden enden, dann füllen sie den Raum und bleiben als ewiges Licht.  Und: Worte sind immer und nie und einfach und doppelt, sagte Herkules zu Lato. Diese Lösungen hat er nun verworfen – sie seien zu umständlich, zu pathetisch, wie er fand. Obwohl sie ihm nahe seien, denn er habe sie im Halbschlaf geträumt – so behauptet er jedenfalls überzeugend.

Susanne und Juergen befinden sich schon seit geraumer Zeit im literarischen und zeichnerischen Dialog. Sie schicken sich gegenseitig halbfertige Sätze zu, die der andere vervollständigen soll. Auch zeichnerisch.

Und Juergen schickt Susanne nun folgenden Satz:  „Mein Engelchen, ich sage Dir …“

Buchalov

Projekt ohne Namen

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Susanne Haun schrieb: Wie Schneeflocken werden die Pappelsamen durch die Luft getragen und …

Jürgen antwortet nun: … sind wie Worte, die die Erde lockern werden. (aus Enzensberger, Windgriff, 1964)

Und so geht es halt weiter beim „Projekt ohne Namen“: einer schickt einen angefangenen Satz, der andere vollendet ihn – literarisch und zeichnerisch. Die Beiden betreiben dieses Spiel, das mittlerweile aber mehr als das geworden ist, schon geraume Zeit. Und Juergen hat immer noch unglaublich viel Freude an diesem Dialog.

Juergen bat mich nun Susanne folgenden Satzteil zu senden:

„Ich konnte zuerst den Weg nicht finden, …“

Was bisher geschah hat Susann hier zusammengefasst: >>> Projekt ohne Namen <<<

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Projekt ohne Namen: „… doch mein Herz schlägt nur für Dich!“

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Manches dauert seine Zeit. Aber Susanne Haun und Juergen haben u.a. eins gemeinsam: einen langen Atem bei ihren zeichnerischen Projekten. So sind Wochen ins Land gegangen bevor Juergen auf Susannes letzten Beitrag im Projekt antworten konnte. Sie schicken sich immer unvollständige Sätze zu, die der andere literarisch und zeichnerisch vervollständigen soll.

Susannes Satzfragment lautete: Die Ferne lockt mit fremden Geruechen, Farben und Tönen …

Und Juergen hat geantwortet mit: …, doch mein Herz schlägt nur für dich.

Und folgendem Bild:

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Und jetzt schickt er Susanne folgendes Satzteil:

Ich schaue mich im Spiegel an und denke: …

Buchalov

Projekt ohne Namen: the loving cup

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Also, dies sei sein Ergebnis und der ganze Satz klinge nun so:

Susanne: Der Mensch blickt zurück in sich selbst und findet in der Zukunft …..

Juergen: … den „loving cup“.

Susanne und Juergen schicken sich nämlich unfertige Sätze zu, die der andere literarisch und illustrativ fertigstellen soll.

Wenn Susanne ihm den unfertigen Satz im Projekt „Projekt ohne Namen“ zusende, dann nehme er einen Zettel, notiere spontan Begriffe, die ihm dazu einfielen, erklärte Juergen, und dann wäre es das erst einmal.

Im Atelier dann, zweiter Schritt, greife er in die Kiste mit den kleinen schmalen Holzschnitten, den Resten, die er sich speziell für diesen Anlass zurecht geschnitten habe und suche passende „Motivfragmente“.

Dann, dritter Schritt, wähle er ein Papier aus, auf das er dann mit Restfarbe drucke, ohne große Überlegungen.

Und im letzten Schritt dann zeichne er mit Tusche in das Vorhandene hinein. Oder klebe Fundstücke ein. Und dabei tauchten dann wieder die Begriffe auf, die er vorher auf dem Zettel notiert habe. Manchmal ergebe das auch mehrere Ergebnisse.

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 „Warum erzählst Du mir das?“, fragte ich. Er versuche, indem er mir das Vorgehen beschreibe, sich zu vergewissern, ob er eine Methode entwickelt habe, die ihn zu Ergebnissen bringe, wie er sie sich wünsche, antwortete er.

Und an Susanne schicke er nun folgenden Satzteil:

„Ich war jung und töricht, naiv und unbedarft …“

Buchalov

 

 

Projekt ohne Namen, Intermezzo: der Schweberochen

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Manchmal geht mit Juergen das Temperament durch. Ich muss dann immer den Kopf schütteln. Dann könne er nicht warten, meinte er. „Warten worauf?“ „Na, auf die Antworten von Susanne Haun beim „Projekt ohne Namen“„. Da schicken die beiden sich nämlich einen unfertigen Satz zu, den der andere vervollständigen soll.

„Und dann?“  „Ja, dann vervollständige ich eben meinen eigenen Satz“,  erwiderte er. Als Intermezzo.

Geschickt habe er Folgendes an Susanne: Der, der alleine ins Wasser geht, das ist „der Alleineinswassergeher“ und die, die zu mehreren gehen …

Und vervollständigt durch Juergen selbst klinge das so: …, nur die sehen den Schweberochen:!

Susannes Antwort soll nicht unterschlagen werden, sie ist hier zu sehen: >>> … <<<

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Projekt ohne Namen: die kalten Hände

Ich bin immer wieder erstaunt: da fliegen halbe Sätze hin und her und die Beiden vollenden sie – zeichnerisch und literarisch. Gemeint sind Susanne Haun und Juergen mit ihrem „Projekt ohne Namen“. Leicht surreal das Ganze. Aber momentan ist ja so vieles surreal, wenn man die Tageszeitung liest oder auf dem Smartphone die Nachrichten verfolgt. Man kann es nicht glauben. Oder nur glauben.

Und Juergen hat nun den letzten Satz von Susanne vervollständigt, den er vor ein paar Tagen erhielt. Das behauptet er jedenfalls.

Susanne: Kalte Hände sind ein kritisches....

Juergen: … Phänomen, denn wie sagte Christoph Ernst Freiherr von Houwald, so ungefähr: „Nimm noch einmal in Deine kalten Hände des warmen Herzens Signatur. Und ist Dein Herzensspiel noch nicht zu Ende, und kommt ein neuer Akt: so klingle nur.“ ( frei übertragen aus: Christoph Ernst Freiherr von Houwald, die Freistatt, vierte Szene, Leipzig 1820)

Und nun bat Juergen mich, an Susanne folgenden halben Satz zu schicken:

Der, der alleine ins Wasser geht, das ist „der Alleineinswassergeher“ und die, die zu mehreren gehen …

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